Eigenverwaltung

14.04.2014 • Leistungen

Was ist eine Eigenverwaltung?

Die Eigenverwaltung ist eine besondere Form eines Insolvenzverfahrens und dadurch gekennzeichnet, dass anstelle eines Insolvenzverwalters der Geschäftsführer als Vertretungsorgan des Unternehmens das Verfahren unter Beachtung der insolvenzrechtlichen Vorschriften führt. Insolvenzrechtlich gesprochen bleibt die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis beim Unternehmen und geht nicht auf den Insolvenzverwalter über. Ein vom Gericht bestellter Sachwalter kontrolliert den Prozess.

Nach der Stellung eines Insolvenzantrages bestellt das zuständige Insolvenzgericht bei einem laufenden Geschäftsbetrieb gewöhnlich einen vorläufigen Insolvenzverwalter. Hierbei geht die Verfügungsbefugnis entweder vollständig auf den vorläufigen Insolvenzverwalter über, oder sie steht zumindest unter dessen Zustimmungsvorbehalt. Damit verliert der Geschäftsführer weitgehend, wenn nicht gar vollständig, die Möglichkeit der Einflussnahme auf sein Unternehmen. Das mag zum Schutz der Insolvenzmasse und der späteren bestmöglichen Befriedigung der Gläubiger des Schuldners bisweilen notwendig und sinnvoll sein. Tatsächlich kann ein solcher „Machtwechsel“ mitunter aber auch dazu führen, dass bereits begonnene Sanierungsprozesse unterbrochen oder ganz abgebrochen werden und persönliche Geschäftsbeziehungen sowie Know-how für eine erfolgreiche Fortführung nicht mehr zur Verfügung stehen.

Mit der sog. Eigenverwaltung nach § 270 InsO hat der Gesetzgeber daher eine Verfahrensalternative geschaffen, welche es dem Schuldner erlaubt, auch nach Antragstellung und Verfahrenseröffnung die Geschicke des Unternehmens zu lenken. Damit werden auch sämtliche Sanierungsoptionen für das Unternehmen offen gehalten. Der Steuerungsverlust, der durch das Hinzutreten eines (vorläufigen) Insolvenzverwalters oftmals befürchtet wird, bleibt aus; das gesamte Verfahren bleibt plan- und vorhersehbar.

Welche Vorteile bietet die Eigenverwaltung?

Die Eigenverwaltung hat gegenüber der Regelinsolvenz erhebliche Vorteile:

  • Ein eigenverwaltetes Insolvenzverfahren wird von den Geschäftspartnern und außenstehenden Dritten nicht als klassisches, auf Abwicklung ausgerichtetes Insolvenzverfahren, sondern als Sanierungsverfahren verstanden.
  • Das Know-how der Entscheidungsträger bleibt im Unternehmen erhalten und wird nicht – wie in den meisten Regelinsolvenzverfahren – durch einen Insolvenzverwalter abgelöst.
  • Enge Kundenbeziehungen und langjährig aufgebautes Vertrauen können für die Sanierung besser nutzbar gemacht werden, was insbesondere im Projektgeschäft unerlässlich ist.
  • In der Eigenverwaltung wird statt eines Insolvenzverwalters ein Sachwalter bestellt, der nur eine überwachende Funktion ausübt und Nachteile zu Lasten der Gläubiger vermeiden soll.
  • Steuerverbindlichkeiten, welche im Zeitraum des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens begründet werden, führen nach Verfahrenseröffnung nicht zur Entstehung von Masseverbindlichkeiten und schmälern daher nicht die Insolvenzmasse.

Welche Voraussetzungen sind an ein Eigenverwaltungsverfahren geknüpft?

  • Eigenantrag des Schuldners.
  • Keine Nachteile für die Gläubiger.

Eine Eigenverwaltung setzt vor allem Vertrauen der Beteiligten voraus, seien es die Banken, die als maßgebliche Gläubiger Einfluss auf die Eigenverwaltung nehmen können, seien es Schlüssellieferanten und Kunden oder etwa die Mitarbeiter; für alle gilt das Gleiche: Frühzeitige Kommunikation und Transparenz als unverzichtbare Mindestbedingung für eine erfolgreiche Sanierung in Eigenverwaltung.

Was können wir für Sie tun?

LECON begleitet Eigenverwaltungsverfahren als Sanierungsberater oder als Sachwalter.
Wir unterstützen das eigenverwaltende Unternehmen von der korrekten Antragstellung bis hin zur Verfahrensbeendigung mittels Insolvenzplan.
Wir erstellen tragfähige Sanierungskonzepte und begleiten die Umsetzung.
Wir übernehmen die Kommunikation mit Gericht und Stakeholdern.

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